Lenzing sehr stabil in deutlich angespannterem Marktumfeld

Zeitschrift für Textilien, Bekleidung, Leder und Technologie

  • Weiterhin positive Entwicklung des Spezialitätengeschäftes mit bereits mehr als 48 Prozent Umsatzanteil
  • Bekenntnis zu langfristigem Wachstumsplan – Investition in 100.000-Tonnen-Anlage in Thailand beschlossen
  • Deutlich angespannteres Marktumfeld bei Standardviscose mit Preisen auf historischen Tiefstständen
  • Ausblick für 2019 bestätigt

Lenzing – Die Lenzing Gruppe setzte ihre solide Geschäftsentwicklung auch im 1. Halbjahr 2019 fort. Trotz eines deutlich angespannteren Marktumfeldes mit historisch niedrigen Preisen für Standardviscose erzielte Lenzing ein leichtes Umsatzwachstum. Die disziplinierte Umsetzung der Unternehmensstrategie sCore TEN und der Fokus auf Spezialitäten wirkt sich weiterhin positiv aus. Dank der anhaltend hohen Nachfrage nach nachhaltig produzierten Spezialfasern und aufgrund von positiven Währungseffekten konnte das rückläufige Preisniveau bei der Standardviscose beim Ergebnis großteils kompensiert werden.

Die Umsatzerlöse der Lenzing Gruppe stiegen im 1. Halbjahr 2019 gegenüber der Vergleichsperiode des Vorjahres um 1,2 Prozent auf EUR 1,09 Mrd. Neben günstigeren Währungsrelationen waren insbesondere die weitere Optimierung des Produktmix und höhere Preise für Spezialfasern dafür verantwortlich. Der Anteil der Spezialfasern an den Umsatzerlösen lag mit 48,4 Prozent deutlich über dem Vergleichswert des Vorjahres von 44,1 Prozent. Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) ging um 7 Prozent auf EUR 181,2 Mio. zurück. Neben höheren Produktionsmengen und Währungseffekten, die zu einem Anstieg der Zellstoffkosten führten, und einem Anstieg des Personalaufwandes, war hauptsächlich das Marktumfeld für Standardviscose für diesen Rückgang ausschlaggebend. Die EBITDA-Marge sank von 18,1 Prozent im 1. Halbjahr 2018 auf 16,6 Prozent in der Berichtsperiode. Das Betriebsergebnis (EBIT) ging um 17,9 Prozent auf EUR 105,6 Mio. zurück, was zu einer niedrigeren EBIT-Marge von 9,7 Prozent (Vorjahreszeitraum: 12 Prozent) führte. Das Periodenergebnis lag mit EUR 76,8 Mio. um 15,9 Prozent unter dem Vorjahreswert von EUR 91,3 Mio. Das Ergebnis je Aktie belief sich auf EUR 2,97 (Vorjahreszeitraum: EUR 3,44).

„Unser Spezialfasergeschäft entwickelt sich ganz im Sinne unserer Unternehmensstrategie sCore TEN weiterhin sehr positiv, wodurch wir heute deutlich widerstandsfähiger als noch vor einigen Jahren sind. Die Investitionen in neue Produktionskapazitäten für Lyocellfasern und der Fokus auf unsere Produktmarken TENCEL™ und VEOCEL™ werden uns noch resilienter gegen die Schwankungen des Marktes machen und unsere Position als führender Anbieter von Spezialfasern stärken. Die erste Phase dieses ambitionierten Wachstumsplans ist der Bau eines hochmodernen Lyocellwerks in Thailand“, sagt Stefan Doboczky, Vorstandsvorsitzender der Lenzing Gruppe. „Die Entscheidung, den Ausbau der Lyocellfaser-Kapazitäten in Mobile vorübergehend zu stoppen, stellte sich angesichts der Eskalation des Handelskonfliktes zwischen den größten Volkswirtschaften als richtig heraus. Lenzing wird diese Entwicklungen weiter genau beobachten und die Entscheidung regelmäßig prüfen“, so Doboczky.

Die Investitionen in immaterielle Anlagen und Sachanlagen (CAPEX) gingen im 1. Halbjahr 2019 um 18,9 Prozent auf EUR 95,1 Mio. zurück. Dieser Rückgang ist auf den Abschluss des Expansionsprojektes in Heiligenkreuz (Österreich) im Jahr 2018 sowie die laufenden Planungen für die Großprojekte in Brasilien und Thailand, die sich erst in den kommenden Quartalen auf das Investitionsvolumen auswirken, zurückzuführen.

Erweiterung der Spezialfaser-Kapazitäten

Die Lenzing Gruppe baut ihre Produktion von Lyocellfasern stark aus, um der hohen Nachfrage nachzukommen. Durch die Erweiterung der Produktion von Spezialfasern setzt Lenzing den Fokus auf stabiles und profitables Wachstum sowie eine Verbesserung des ökologischen Fußabdrucks der Textil- und Vliesstoffbranchen. Die erste Expansionsphase dieses ambitionierten Wachstumsplans – die Errichtung einer hochmodernen Lyocellfaser-Produktionsanlage in Prachinburi (Thailand) – wurde im 2. Quartal 2019 genehmigt. Das Investitionsvolumen für die neue Anlage mit einer Kapazität von 100.000 Tonnen beträgt etwa EUR 400 Mio.

Im Berichtszeitraum wurde außerdem die Umstellung der Produktionskapazitäten von Standardviscose auf LENZING™ ECOVERO™ Fasern in China abgeschlossen.

Erweiterung der Zellstoff-Kapazitäten

Die Erhöhung der Eigenversorgung mit Faserzellstoff ist ein weiterer wesentlicher Schritt in der Umsetzung der sCore TEN Strategie. Lenzing und ihr brasilianischer Partner Duratex treiben die geplante Errichtung einer Faserzellstofflinie im Bundesstaat Minas Gerais (Brasilien) weiter voran. Die Arbeiten an den technischen Planungen, die Vorbereitung des Grundstückes für den Betriebsstandort sowie die Einholung der erforderlichen Genehmigungen verlaufen planmäßig. Eine finale Investitionsentscheidung ist bis Ende des Jahres 2019 vorgesehen.

Der erfolgreiche Abschluss des Ausbaus und der Modernisierung der Produktionskapazitäten für Faserzellstoff am Standort Lenzing im 1. Halbjahr 2019 war ein weiterer Meilenstein der Rückwärtsintegration.

Transparenz vom Holz bis zur Kleidung

Um das Geschäft mit Fasern der Marke TENCEL™ zu unterstützen und sowohl für Modemarken als auch für Konsument/innen vollständige Transparenz und Rückverfolgbarkeit der Fasern bis zum fertigen Kleidungsstück zu gewährleisten, setzt Lenzing in Zukunft auf die Blockchain-Technologie und kündigte zu diesem Zweck im 2. Quartal 2019 eine Kooperation mit der Plattform des Technologieunternehmens TextileGenesis™ mit Sitz in Hongkong an. Lenzing wird in weiterer Folge mehrere Pilotprojekte mit Partnern entlang der gesamten Wertschöpfungskette umsetzen. Die Plattform wird voraussichtlich ab 2020 voll einsatzfähig sein.

Ambitionierte Klimaziele

Gleichzeitig will die Lenzing Gruppe ihre Position als Nachhaltigkeitsvorreiterin in der produzierenden Industrie und in der Faserindustrie im Speziellen weiter ausbauen, indem sie in den kommenden Jahren EUR 100 Mio. in Maßnahmen zu Energieeinsparungen, in die weitere Umstellung auf Erneuerbare Energien und in neue Technologien investiert. Lenzing legt auch beim Bau neuer Zellstoff- und Lyocellanlagen wie jener in Thailand einen starken Fokus auf CO2-arme Energiequellen und Produktionsverfahren. Ziel ihrer Klimastrategie ist es, die Nettoemissionen von Treibhausgasen bis 2050 auf Null zu reduzieren. Ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg, klimaneutral zu werden, wird das Jahr 2030 sein. Bis dahin verpflichtet sich Lenzing, die Emissionen pro Tonne Fasern und Zellstoff um 50 Prozent im Vergleich zu 2017 zu senken.

Ausblick

Der Internationale Währungsfonds rechnet für 2019 mit einer Abschwächung des weltweiten Wirtschaftswachstums auf 3,2 Prozent. Hauptursachen dafür sind die Zunahme an protektionistischen Tendenzen und wachsende geopolitische Spannungen. Das Wechselkursumfeld bleibt in den für Lenzing wichtigen Regionen volatil.

Die Nachfrage auf den globalen Fasermärkten ist nach wie vor positiv. Die Lagermengen für Baumwolle werden nach vorläufigen Berechnungen für die Saison 2019/2020 dennoch steigen. Der Polyestermarkt erholte sich gegen Ende des 2. Quartals 2019 vom schwächeren Wachstum in den Monaten davor. Für Baumwolle wie für Polyester wird von einem leicht rückläufigen Preisniveau ausgegangen. Die Kapazitätserweiterungen bei der Standardviscose erhöhten trotz anhaltend guter Nachfrage den Druck auf die Preise, die im 1. Halbjahr 2019 auf ein historisch niedriges Niveau sanken. Für ihr Spezialfasergeschäft geht die Lenzing Gruppe von einer Fortsetzung der positiven Entwicklung aus.

Die Preise für Faserzellstoff entwickeln sich angesichts der angespannten Situation am Markt für Standardviscose rückläufig. Die Preise für Natronlauge in Asien haben in den vergangenen Monaten bereits deutlich nachgegeben. In Europa ist diese Entwicklung erstmals spürbar.

In einem sehr angespannten Marktumfeld bei der Standardviscose mit Preisen auf historischen Tiefstständen geht die Lenzing Gruppe auf Basis aktueller Währungsverhältnisse weiterhin davon aus, dass das Ergebnis für 2019 in etwa auf dem Niveau von 2018 liegen wird. Die Lenzing Gruppe sieht sich angesichts dieser Entwicklungen in der gewählten Unternehmensstrategie sCore TEN bestätigt. Lenzing ist in diesem Marktumfeld sehr gut positioniert und wird die Umsetzung der Strategie mit dem fokussierten Wachstum im Bereich der Spezialfasern weiterhin konsequent vorantreiben.

Wichtige Kennzahlen nach IFRS, auf Konzernbasis

 

 

(in EUR Mio.)

01–06/2019

01–06/2018

Umsatzerlöse

1.088,5

1.075,4

EBITDA (Betriebsergebnis vor Abschreibungen)

181,2

194,8

EBITDA-Marge in %

16,6

18,1

EBIT (Betriebsergebnis)

105,6

128,7

EBIT-Marge in %

9,7

12,0

Periodenergebnis

76,8

91,3

CAPEX1

95,1

117,2

 

 

30.06.2019

31.12.2018

Bereinigte Eigenkapitalquote2 in %

56,6

59,0

Anzahl der Mitarbeiter/innen (Beschäftigte)

6.914

6.839

  • Capital expenditures: entspricht dem Erwerb von immateriellen Anlagen und Sachanlagen laut Konzern-Kapitalflussrechnung
  • Prozent-Verhältnis bereinigtes Eigenkapital zur Bilanzsumme

 

Quelle und Foto: www.lenzing.com