Tag der Mülltrennung: Richtig getrennt ist halb recycelt

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„Müll trennen ist unwichtig. Am Ende wird doch sowieso alles zusammengeschmissen.“ So lautet ein gängiges Vorurteil. Statt den Haushaltsmüll zu sortieren, lieber, zack, alles in einen Sack und ab damit in die Tonne. Sollte der Müllbeutel in der schwarzen Restmülltonne landen, deren Inhalte meist verbrannt werden, gehen zwar nutzbare Wertstoffe verloren. Doch immerhin hätten die Mitarbeiter in den Sortieranlagen Glück gehabt. Sie müssten nicht tote Katzen, volle Windeln oder in der Verpackung verschimmelte Schnitzel vom Förderband klauben, wie es die Anlagenbetreiber immer wieder berichten.

Deutschland hat mit seinem dualen System ein weltweit vorbildhaftes Verfahren zur Wiederverwertung von Rohstoffen entwickelt. Ziel ist es, so viel Verpackungsstoffe wie möglich zurück in den Kreislauf zu führen, kurz: zu recyceln. Das spart Rohstoffe, verringert dadurch den Ausstoß klimaschädlicher Emissionen und entlastet die Umwelt.

Durch die getrennte Sammlung zum Beispiel von Papier und Glas ist die Restmüllmenge in den vergangenen 30 Jahren deutlich gesunken. Zwei Faktoren sorgen jedoch dafür, dass bei Mülltrennung und Recycling noch viel Luft nach oben ist. Zum einen die Industrie selbst. Gemäß des Auftrags Material zu sparen, hat sie in den vergangenen Jahren immer dünnere und leichtere Kunststoffgemisch-Verpackungen entwickelt. Die sind allerdings kaum voneinander zu trennen und deshalb schwer wiederzuverwerten. Zum anderen sind da die einzelnen Bürger, die aus Unwissenheit, Platzmangel oder Bequemlichkeit Abfälle nicht richtig sortieren.

„Wir als Endverbraucher sind diejenigen, die dem Abfallwirtschaftssystem am meisten helfen können“, erklärt Prof. Christina Dornack. Gemeinsam mit ihren Kollegen vom Institut für Abfall- und Kreislaufwirtschaft der TU Dresden forscht sie daran, wie Abfall durch Sortieranlagen sinnvoll sortiert werden kann, wie die Verpackungen dafür beschaffen sein müssen und wie die Bürger zu möglichst gewissenhafter Mülltrennung animiert werden können. „Nur was richtig getrennt ist, kann auch wiederverwertet werden“, fasst Christina Dornack zusammen.

„Damit die Abfälle in den Sortieranlagen gut voneinander getrennt werden können, sollten sie wenig verschmutzt und möglichst vereinzelt in die Abfallbehälter geworfen werden“, ergänzt Roman Maletz. „Vereinzelt bedeutet, dass zum Beispiel Papierbanderolen von Plastikverpackungen abgetrennt, Joghurtdeckel abgerissen und keine Folien oder ähnliches in leere Joghurtbecher gestopft werden. Aus einer mit Essensresten und anderen Abfällen vollgestopften Wurstverpackung kann man keinen Recyclingkunststoff herstellen. Sie würde von der Maschine als Rest aussortiert und könnte höchstens noch zur Energiegewinnung verbrannt werden.“

An der Sortieranlage des Instituts für Abfallwirtschaft in Pirna-Copitz probieren die Wissenschaftler und Studierenden regelmäßig aus, was die Maschinen für ein bestmögliches Ergebnis benötigen. „Denn erst durch die Abfalltrennung wird das Recycling der werthaltigen Reststoffe möglich“, erläutert Roman Maletz. Nach der Aufbereitung können daraus Rohstoffe für die Produktion entstehen, die sonst mit hohem Energie- und Ressourcenaufwand neu hergestellt werden müssten.

Auch international ist das Institut für Abfallwirtschaft aufgrund der Forschungen ein gefragter Partner. „Derzeit untersuchen wir in einer Kooperation mit vietnamesischen und laotischen Universitäten, wie man Fachkräfte im Bereich des Kunststoffrecyclings und der dazu erforderlichen getrennten Erfassung am besten ausbilden kann“, erklärt Christina Dornack. Sie weiß aus jahrelanger internationaler Zusammenarbeit, dass das deutsche System der Mülltrennung nicht einfach auf andere Länder übertragbar ist, die hiesigen Erkenntnisse dennoch hilfreich sein können. „In Ländern wie Kenia ist beispielsweise der Anteil der Bioabfälle deutlich höher. Da ist es zunächst die wichtigste Aufgabe, dass dieser Abfall von dem anderen getrennt und kompostiert wird, damit auf den Deponien nicht so viel klimaschädliches Deponiegas entsteht.“

In Deutschland mit seinen großen Mengen an erdölbasierten Kunststoffabfällen sieht das ganz anders aus. Neben einer korrekten Mülltrennung lautet daher der wichtigste Rat der Spezialisten Christina Dornack und Roman Maletz: Abfälle möglichst vermeiden. „Und darauf achten, dass man entweder Produkte erwirbt, die aus recycelten Materialien hergestellt sind oder solche, die sich gut recyceln lassen.“

 

Mehr zum Thema:

www.muelltrennung-wirkt.de

https://tu-dresden.de/bu/umwelt/hydro/iak

 

Quelle: https://tu-dresden.de/