Virtuelle Kommunikationsplattformen als Alternative zu realen Messen?

Zeitschrift für Textilien, Bekleidung, Leder und Technologie
Neue digitale Welt mit Augmented und Virtual Reality Technologien als Alternative zu einer realen Messe? Moderne Kommunikationsplattformen werden beweisen müssen, ob hierfür eine Akzeptanz bei Anbietern und Besuchern existiert.

Die Corona-Pandemie stellt auch die globale Textilmaschinenindustrie vor neue kommunikative Herausforderungen. Technologie- und kontinentale Leitmessen wie die ITMA Asia, ITM, INDEX und ITME als auch so bedeutende Branchenevents wie der Global Fiber Congress (GFC) in Dornbirn werden im Jahr 2020 nicht wie gewohnt stattfinden können und mussten in das kommende Jahr verschoben werden. Welche Alternativen gibt es jetzt jedoch, sein Netzwerk intensiv zu pflegen und mit seinen Partnern und Kunden im kommunikativen Austausch zu bleiben und dabei neue Produkte und Services attraktiv zu präsentieren? Neue virtuelle Kommunikationsplattformen könnten hier eine Lösung aufzeigen, die am Ende sogar dem Nachhaltigkeitsgedanken Rechnung trägt. Dazu sprachen wir mit André Wissenberg, Head of Marketing, Corporate Communications and Public Affairs des Oerlikon Segments Manmade Fibers und Vorsitzender des VDMA Marketing- und Messeausschusses.

Corona-Situation erfordert bei der globalen Marktbearbeitung neue Wege zu gehen
Welche Auswirkungen hatte und hat die Corona-Pandemie derzeit auf Veranstaltungen und Events in der Textilmaschinenindustrie?
Im Prinzip sind seit Mitte März weltweit alle Messen, Events und Veranstaltungen zum Erliegen gekommen. Die meisten Organisatoren haben die Termine zunächst teilweise innerhalb dieses Jahres mehrmals verschoben, in der Hoffnung, die Pandemie würde sich schnell eindämmen lassen und das zweite Halbjahr könne wieder „normal“ bearbeitet werden. Schlussendlich müssen wir alle jedoch erkennen, dass uns das Corona-Virus und dessen Auswirkungen auf ein globales Miteinander noch lange im Griff halten werden. Reisen sind derzeit weiterhin nur in einem eingeschränkten Maße möglich und bleiben sicherlich noch auf Monate hin wenig planbar. Planung ist allerdings das A und O in einem internationalen Messe- und Eventgeschäft – und das gilt sowohl für die Organisatoren als auch vor allem für uns als Aussteller.

Welche alternativen Kommunikationswege gibt es jetzt?
Im Mittelpunkt steht für uns alle mehr denn je, den Kontakt zu unseren Kunden und Partnern intensiv aufrecht zu erhalten. Dabei geht es um Wissensvermittlung von neuen Produkten und Services, kaufmännischen Abklärungen bei getätigten Abschlüssen, die Umsetzung und Begleitung zu installierender und in Betrieb zu nehmender Maschinen und Anlagen als auch vor allem die Pflege einer guten Kundenbeziehung. Und dazu gehört auch Alltägliches, Privates und vor allem eins: Emotionen. Hierzu nutzen wir soweit es geht alle modernen digitalen Kommunikationsmittel wie Skype, Teams, Zoom usw. Am Ende des Tages kommt es allerdings darauf an, wie sich die beteiligten Personen in dieser digitalen Welt selbst öffnen und mit ihr umgehen. Sicherlich auch eine Generationsfrage. Sofern es möglich ist, sind hybride Kundenbegleitungslösungen mit lokalen Mitarbeitern aus dem firmeneigenen Netzwerk vor Ort und zugeschalteten Experten derzeit wohl die beste Alternative.

Wie sieht die nahe Zukunft aus?
Technologie-Webinare, wie sie nun auch kürzlich der VDMA mit einer neuen Reihe ins Leben gerufen hat und wie wir sie bei Oerlikon Manmade Fibers auch im zweiten Halbjahr anbieten werden, helfen, bestehenden und potentiellen Kunden Wissen meist zu einem Fokusthema ausführlich zu vermitteln. Während der didaktische Schwerpunkt eines Webinars in der Regel allerdings eher einer universitären Vorlesung gleicht – seien Sie also kreativ – und der Dialog hier nicht zuletzt auch auf Grund der Wettbewerbssituation der Teilnehmer untereinander in den Hintergrund tritt, könnten neue, sich gerade in der Entstehung befindende digitale Kommunikationsplattformen in der Art einer virtuellen Messe eine wertvolle Ergänzung für alle Marktteilnehmer darstellen.

Neben der reinen unidirektionalen Informationsvermittlung mittels attraktiv gestalteter Websites mit – im besten Fall – modernen Augmented oder Virtual Reality Technologien stehen hier dann auch Möglichkeiten der bidirektionalen Kommunikation mit Hilfe von terminierten Videochats zwischen Kunden und Unternehmensexperten zur Verfügung. Konferenzen und Seminare runden das Programm in der Regel ab. Ein attraktives Angebot für alle Teilnehmer – sofern genügend auf beiden Seiten mitmachen. Denn nur, wenn der Nutzen einer „echten Messe“ entsteht – die Möglichkeit, Produkte und Lösungen unterschiedlicher Anbieter und deren Angebote auf einer derartig gestalteten digitalen Kommunikationsplattform zu vergleichen und alle relevanten Informationen für eine Kaufentscheidung zeitlich kompakt als auch effizient z.B. in Form von Downloads zu sammeln – werden Anbieter und Besucher einen nachhaltigen Mehrwert davon tragen können. WTIN wird vom 15. bis 30. Oktober 2020 mit seiner „Innovate Textile & Apparel Virtual Trade Show“ einer der ersten Organisatoren in der Textilmaschinenindustrie sein, der diesen neuen, digitalen Schritt gehen wird. Und wir von Oerlikon Manmade Fibers freuen uns, dabei zu sein und unsere Kunden in einer virtuellen Welt begrüßen zu dürfen.

Quelle: www.oerlikon.com